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Buch: Der gefesselte Mensch

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Helfen will gekonnt sein!

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Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Erasmus hat viel über Helfen und Sich-helfen-lassen nachgedacht und glaubt an Goethes Appell. Über das, was man unter Hilfe versteht, sollte allerdings Einigkeit bestehen, das Handeln des Helfenden muß ebenso überlegt sein wie das des Hilfe Empfangenden, denn beider Motive sind vielfältig zusammengesetzt.

Erasmus mußte daran denken, als er kürzlich folgende Pressemitteilung* las: Die EG-Kommission in Brüssel spendete an Polen eine Lebensmittelhilfe von 300.000 t Weizen, obwohl, wie sich später herausstellte, das Land diese Hilfe keineswegs benötigte. Das war um so ärgerlicher, da die Polen Teile dieser Lieferung wenige Monate später zu Weltmarktpreisen an einzelne EG-Statten zurückverkauften.

Hilfe ja, wenn notwendig, aber dann gezielt und am besten Hilfe als Hilfe zur Selbsthilfe, so ließe sich die Lage des Helfers auf eine Kurzformel bringen. Auch der um Hilfe Bittende sollte seine Lage wohl überdenken. Sich nicht selbst helfen zu können, ist peinlich. Auch das sollte der Helfer bedenken, bevor er kurzsichtig und überstürzt seine Hilfe aufdrängt. Keine Hilfe kann manchmal die beste Hilfe sein.

Leider, findet Erasmus, sind unsere Lebensverhältnisse durch die vielen Zwischenhände, Mittelsmänner und Institutionen so kompliziert geworden. Mit Wehmut denkt er an jene Zeiten, in denen man so einfach und überschaubar wie der barmherzige Samariter helfen konnte.

*“Handelsblatt“, 29/30.11.1991