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Kostenexplosion des Gesundheitssystems: systemimmanent

Frankfurter Allgemeine Zeitung 2003

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Der finanzielle Zusammenbruch dieser Institution war vorhersehbar, denn dieses System widerspricht in allen Teilen der menschlichen Natur. Bereits der Name "System" ( etwa seit 1983 ) ist irreführend, denn ein System ist ein geordnetes Ganzes, dieses Ganze aber ist völlig ungeordnet. Den Namen erfanden die Politiker, denn das " Gesundheitssystem " soll als soziale Wohltat angesehen werden, sorgen sich die Politiker doch jetzt auch um die Gesundheit der Menschen, denen sie einreden, daß diese es ja selbst nicht können.

Finanziert wird die sozialen Wohltat " Gesundheitssystem " durch die " Gesetzliche Krankenversicherung " ( GKV), die beschönigend als " solidarische " Krankenversicherung bezeichnet wird. Das Wort " Solidarität " ist, auf die gesetzliche Zwangskrankenkasse bezogen, völlig abwegig. Die GKV wird im allgemeinen als Zusatzbesteuerung angesehen oder als Zwangssparkasse. Der total entmündigte Bürger trachtet mit Recht danach, von dem Geld, das ihm per Gesetz weggenommen wird, etwas zurück zu erhalten. Dazu bietet der maßlos aufgeblähte Leistungsumfang der GKV reichlich Gelegenheit. So kann man den Arzt auch aus Langeweile aufsuchen oder sich im Krankenhaus wohlfühlen, in dem man sein Essen - nach Menueauswahl - nicht zu bezahlen braucht und wo man in Berlin auch staatlich verordnete Raucherzimmer vorfindet. " Von Schweißfüßen über Ehekrisen bis zum Leichenschmaus " und natürlich auch die Krankheitsvorbeugung usw, usw. alles bezahlt die Zwangskrankenversicherung. Der Versicherungszwang, in etwa 100 Jahren von 8 auf 92 % der Bevölkerung ausgedehnt, ist auch ein Ergebnis des preußischen Untertanengeistes, denn es muß jemand schon an Rechenschwäche leiden, wenn er dieser Institution freiwillig beitritt. Die Kostenexplosion ist systemimmanent. Von den Politikern wird sie nur als Anlass betrachtet, den Bürgern noch mehr Geld abzunehmen oder noch mehr von ihnen ihrer Zwangskasse zuzutreiben. Der Begründer der Deutschen Sozialmedizin, Prof. Hans Schaefer, schrieb dazu 1983:

"Die gesetzliche Krankenversicherung ist in ihrer Praxis total entartet. Sie ist aus einer Notfall-Einrichtung zu einem Selbstbedienungsladen geworden, in dem man Bequemlichkeiten einkauft. Diese Entwicklung bezahlt der Versicherte. Es ist gewissenlos, in der heutigen Situation diese Fehlentwicklung als soziales Anrecht anzusehen. Es ist soziales Unrecht, was da gerade am Minderbemittelten geschieht, es handelt sich um echte Ausbeutung im Sinne von Marx."