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Bertolt Brecht und die Naturheilkunde

Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin Vol. 23, No. 2, 2011

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Zusammenfassung

Jedes Organ des Körpers bedarf der ständigen Tätigkeit (Funktion). Wird seine Eigenleistung laufend von aussen zugeführt und ihm die Funktion abgenommen, so kommt es zur Untätigkeitsverkümmerung. Im Sinne einer funktionellen Therapie spricht man von Ersatzleistung. Was Brecht beispielhaft am Bewegungsapparat zeigt, gilt jedoch für alle Körperfunktionen. So wird heute oft vergessen, dass die Therapie mit Antibiotika für das Immunsystem eine Ersatzleistung ist. Die Folgen einer unkritischen Antibiotikatherapie werden beschrieben. Desgleichen ist eine bequeme Arzneitherapie für viele Kranke eine Krücke anstelle der notwendigen, aber unbequemen Änderung ihres Lebensstils. Nicht nur in der Medizin, sondern in vielen Lebensbereichen werden mit Ersatzleistungen die Eigenfunktionen eingeschränkt. Hier dürfte Brecht auch seine Erfahrungen gesammelt haben. Die Notwendigkeit einer «Funktionellen Therapie» wird betont. Ihre Grössen, mit denen gearbeitet werden muss, sind: Funktionsreiz, Organ, Funktion und Leistung; ihre Therapieformen: Ersatzleistung, Schonung, Übung und Unterstützung. Das Hauptanliegen der Naturheilkunde ist die Unterstützung der Eigenfunktionen, die Hilfe zur Selbsthilfe. Für jede Ersatzleistung gilt die strenge Indikation: So wenig wie möglich – so viel wie nötig. Ziel einer Behandlung soll immer der gesunde, autonome Mensch sein, der keine ärztliche Behandlung benötigt und ohne Krücken auskommt. Angesichts des Vorherrschens der Arzneitherapie, die weiter ausgebaut wird, haben viele Menschen heute andere Motive, den Arzt aufzusuchen, als Brechts Kranker.

Copyright © 2011 S. Karger AG, Basel

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